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Spot [Titel]image dummyArchiv 2006

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Rente erst mit 67?
Kommentar von Helga Ziegert aus dem Weser Kurier

Das Bundeskabinett hat Ende November beschlossen, das gesetzliche Rentenalter auf 67 Jahre anzuheben, Die Anhebung soll schrittweise beginnend mit dem Jahr 2012 bis zum Jahr 2029 eingeführt werden.

Klar ist, dass der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung wächst, im Jahr 2050 wird jede/r Dritte in Deutschland 60 Jahre und älter sein, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter nimmt dagegen immer weiter ab. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist, dass immer weniger Beschäftigte immer längere Renten für immer mehr Rentner bezahlen müssen. Es droht also eine steigende Beitragsbelastung für die Beschäftigten und die Betriebe. Die Frage ist aber, ob die jetzt vorgesehenen Maßnahmen geeignet sind, dieses Problem abzumildern oder gar zu beheben.

Zwar entlastet zunächst der spätere Renteneintritt die Rentenkassen, diese Entlastung wird aber dadurch verringert, dass die Rentner für ihre längeren Beitragsleistungen höhere Rentenansprüche erwerben. Die Rentenversicherungen rechnen deshalb auch nur mit einer langfristigen Beitragsentlastung von 0,5 Beitragssatzsatzpunkten.

Ein weiteres Argument ist der drohende Fachkräftemangel. Weil die Zahl der jüngeren Menschen im erwerbsfähigen Alter in den nächsten Jahrzehnten abnimmt und zudem das Qualifikationsniveau in dieser Altersgruppe stagniert, muß zumindest in Teilen der Wirtschaft damit gerechnet werden, dass bald qualifizierter Nachwuchs fehlt. Neben vermehrten Ausbildungsanstrengungen sollten sich die Betriebe deshalb auch auf alternde Belegschaften einstellen und rechtzeitig in die Qualifizierung und Gesundheitsförderung ihre Mitarbeiter investieren. Und zwar nicht nur, weil die Frühverrentung durch die Rentenabschläge noch teuer wird, sondern weil ihnen auch das Wissen und Können ihrer Beschäftigten fehlen wird, wenn sie wie bisher Ältere vorzeitig in die Rente schicken.

Tatsächlich beschäftigt bisher nur noch die Hälfte aller Betriebe überhaupt noch Ältere, die Arbeitslosigkeit ist bei den über 50jährigen bis zu doppelt so hoch wie im Durchschnitt, noch gemildert durch den vorzeitigen Rentenbezug mit 60 ( bei auch jetzt schon hohen Rentenabschlägen ). Das Einstellungsverhalten der Chefs hat sich bisher, trotz aller positiven verbalen Bekundungen über die Leistungsfähigkeit und das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter, nicht grundlegend geändert. Ob sich die Arbeitsmarktlage bis zum vollen Wirksamwerden der Anhebung des Rentenalters so grundlegend gebessert haben wird, ist heute nicht abzusehen. Die Rente mit 67 kann dann zu einer noch höheren Arbeitslosigkeit bei den Älteren,andererseits aber auch zur Verschlechterung der Chancen für die nachfolgende Generation führen, für die der Einstieg in den Arbeitsmarkt noch schwieriger wird.

Zu Recht befürchten deshalb heute viele der dann Betroffenen - die Generation der über Vierzigjährigen, die jetzt "im besten Erwerbsalter" stehen - dass sie wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten faktisch weitere Rentenkürzungen in kauf nehmen müssen und dass deshalb das Programm "Rente mit 67" in Wirklichkeit ein weiteres Rentenkürzungsprogramm ist. Arbeitslose aber auch Schwerbehinderte müssten übrigens besonders hohe Abschläge hinnehmen, wenn sie wie bisher den gesetzlichen Anspruch auf die Rente mit 60 bezw. 62 wahrnehmen.

Auch wenn heute Menschen mit 60 oder 65 im Allgemeinen gesünder und leistungsfähiger sind als die Menschen vor 50 Jahren und eine starke Minderheit sich zu früh aufs Altenteil gedrängt fühlt und gerne länger arbeiten würde - für viele ist selbst die Altersgrenze 65 wegen gesundheitlicher Einschränkungen oder starker Belastungen unerreichbar. Nicht nur für den vielzitierten Dachdecker sondern auch für Beschäftigte in vielen anderen Bereichen, im Einzelhandel, im produzierenden Gewerbe, auf dem Bau aber auch in der Telekommunikationsbranche sind die Belastungen, am Arbeitsplatz so hoch, dass Arbeiten bis 65 geschweige denn bis 67 undenkbar ist.

Was ist zu tun?
Statt der drastischen Maßnahme "Rente mit 67" könnte durchaus ein mäßiger Anstieg der Rentenbeiträge in kauf genommen werden, zumal die Beitragsentlastung durch die Anhebung des Rentenalters langfristig gering ist. Zu fragen ist auch, ob die gewachsenen Lebenserwartung einerseits und der Kindermangel unserer Gesellschaft andererseits nicht Entwicklungen sind, die von der Gesellschaft insgesamt - über Steuerzuschüsse - getragen werden müssen und nicht allein von den Beitragszahlern. Schließlich: Eine höhere Erwerbsbeteiligung der Älteren ist ohne Zweifel wünschenswert, dazu muß aber die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ältere verbessert werden. Und schließlich müssen die Arbeitsbedingungen durch bessere Gesundheitsvorsorge, die Möglichkeit zu lebenslangem Lernen und Veränderungen in der Arbeitsorganisation so gestaltet werden, dass deutlich mehr Menschen als bisher überhaupt die bisherige Altersgrenze von 65 erreichen können.
[11.12.2006]






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