Qualität der Berufsausbildung sichern
Recht auf Ausbildung durchsetzen
Auch zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist die Lage auf dem Bremer Ausbildungsmarkt angespannt. Zwar ist die Zahl der Ausbildungsplätze erstmals wieder (auf 1.191 in Bremerhaven und 4.250 in Bremen) gestiegen, dies ist aber der gestiegenen Zahl außerbetrieblicher Ausbildungsstellen zu verdanken. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen ist gegenüber dem Vorjahr um 56 im Agenturbezirk Bremerhaven und um 128 im Bezirk Bremen zurückgegangen. Auf einen gemeldeten Bewerber kamen in Bremerhaven 0,51 Berufsausbildungsstellen, in Bremen 0,83. Besorgniserregend ist die hohe Dunkelziffer der „ehemaligen“ Bewerber (2.500) und der Jugendlichen in Maßnahmen.
Nach wie vor haben Jugendliche mit Hauptschulabschluss und mit Migrationshintergrund in Bremen deutlich geringere Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Angesichts des demographischen Wandels befürchten die Gewerkschaften in naher Zukunft einen deutlichen Mangel an qualifizierten Facharbeitern. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Attraktivität einer gewerblichen oder handwerklichen Ausbildung deutlich geringer ist, als einer Ausbildung im kaufmännischen oder Dienstleistungsbereich.
Ausbildung ist keine „Sozialmaßnahme“, sondern eine Investition in die Zukunft. Deshalb werden die Betriebe sich darauf einstellen müssen, auch Jugendliche auszubilden, die nicht die idealen Voraussetzungen aufweisen. Statt darauf zu warten, dass die Schulen „bessere“ Abgänger „liefern“. Vor allem Klein- und Mittelbetrieben muss hierfür die notwendige Unterstützung gegeben werden.
Deshalb fordern DGB und Gewerkschaften
- die Sicherung der Qualität der dualen Berufsausbildung. Keine Bausteinqualifizierung als Vorstufe zur Billigqualifikation
- eine Aufwertung der dualen Berufsausbildung durch verbesserte Zugangsmöglichkeiten zum Hochschulstudium. Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife für Absolventen der dualen Ausbildung
- verstärkte Anstrengungen der Betriebe zur Imageverbesserung gewerblicher und handwerklicher Berufsausbildung
- Ausweitung des Bremer Hauptschulprojekts zum direkten Übergang von Hauptschulabgängern in die betriebliche Berufsausbildung unter Beteiligung der Gewerkschaften
- schrittweise Ersetzung der Finanzierung von schulischen und außerbetrieblichen Maßnahmen durch Projekte zur betrieblichen Ausbildung.
- Unterstützung u. a. von Klein- und Mittelbetrieben bei der Ausbildung und Schaffung von Ausbildungsplätzen
- Integration des Ausbildungspaktes in das Bremer Bündnis für Arbeit und Ausbildung unter Beteiligung der Gewerkschaften. Gemeinsame Verabredung zur Steigerung der betrieblichen Ausbildungsquote in Bremen, u. a. für Migranten und Hauptschüler
in europäischer Perspektive
[23.10.2007]