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Pressereferat
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![Spot [Titel]](../../_images/spot_grey_01.gif) Archiv 2008
Hier haben Sie eine Übersicht aller Pressemitteilungen und Berichte, die in den vergangenen Monaten und Jahren veröffentlicht wurden. Wenn Sie dennoch Fragen haben sollten, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.
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80 Jahre Volkshaus in Bremen
Das Volkshaus an der Hans-Böckler-Strasse (vormals Nordstrasse) an der Ecke Auf dem Kamp liegt im Stadtteil Walle und wurde im Jahre 1928 erbaut. Es wurde vor 80 Jahren als Gewerkschaftshaus erbaut und finanzierte sich u.a. durch einen sogenannten Ziegelpfennig, den die damalige Arbeiterbewegung zusammen trug. Insgesamt kamen durch Mitgliedsbeiträge wohl die 1,7 Mio Reichsmark zusammen, denn soviel soll das Haus in Walle, im Bremer Westen gekostet haben.
Am Montag, den fünften Mai wurde des Hauses Geburtstag gedacht, aber auch der Zerschlagung der Gewerkschaften vor 75 Jahren. Heute beherbergt das Haus das Amt für Soziale Dienste Bremen und es fand eine sehr umfassende Renovierung statt. Das Amt für Soziale Dienste hat dort seine Zentrale und das Sozialzentrum Gröpelingen und Walle untergebracht.
Nun etwas mehr zur Geschichte:
Nachdem die Bremer Gewerkschaften zunächst in einem Haus in der Faulenstrasse untergebracht waren, wurde in den Jahren 1926 bis 1928 nach den Plänen des Architekten Richard Janssen ein großer Neubau mit über 400 Räumen an der damaligen Nordstrasse errichtet.
Wie wurden die Räume genutzt? Nun man muss sich das Leben der Werktätigen, der Arbeiterfamilien völlig anders vorstellen als heute, die Wohnungen erheblich kleiner, es gab viel mehr Kinder in eben diesen kleinen Wohnungen und kaum Bücher in den Haushalten.
Also war im Volkshaus eine Bibliothek untergebracht, die Arbeiterkammer, die heute in Bremen Arbeitnehmerkammer heißt, eine Arbeiterbank, ein Jugendheim, sowie ein Ledigenheim, für junge Mütter die für ihre Kinder oder Schwangerschaft keinen Vater hatten, ein Hotel, ein Restaurant. Für viele, vielleicht für alle Arbeiterfamilien war es nicht üblich in einen Restaurant zu essen, also war es etwas im ganzem etwas neues. Eine Kegelbahn und eine gemeinnütziges Bestattungsinstitut. Das „GEBEIN“:
In der Einweihungs-Festschrift für das Volkshaus heißt es über das GE•BE•IN und die Notgemeinschaft:
- „Dem Zusammenschluss in der Not haben wir die Notgemeinschaft des Gemeinnützigen Bestattungs-Instituts zu verdanken: In großer Inflationszeit zerrannen vorhandene Mittel in unseren Händen zu einem Nichts. Nicht wissend, wie man die lieben Toten unter die Erde bringen sollte, drängten Tausende von Menschen zur Schaffung einer Notgemeinschaft. Vielen ist es vielleicht bis heute noch nicht klar geworden, dass sie unbewusst ein Gemeinschaftswerk mitgeschaffen haben, an dem sie auch heute noch durch ihre Zugehörigkeit mitarbeiten. So entstand die größte Bremer soziale Selbsthilfeorganisation, die Notgemeinschaft für gemeinsames Bestattungswesen. Zur sparsamen Verwendung der einlaufenden Geldmittel wurde das Gemeinnützige Bestattungs-Institut gegründet. Klein war die Zahl der Anhänger im Anfang, groß ist sie heute. 45.000 Familien und Einzelmitglieder bilden das Riesenwerk. Bescheiden waren die Einrichtungen des Gemeinnützigen Bestattungs-Instituts am Eröffnungstage, am Karfreitag des Jahres 1923. Langsam ist mit Hilfe von Tausenden von Anhängern das Institut ausgebaut worden. Rein äußerlich hat das Institut jetzt im neuen Volkshaus den vornehmen gediegenen Rahmen gefunden, durch den es vorbildlich auf seinem Gebiete wirken muss. Große luftige und geschmackvoll eingerichtete Büroräume, würdige Empfangsräume für Hinterbliebene, bescheiden vornehme Ausstellungsräume. Durch die gewölbeartige Einfahrt Auf dem Kamp werden die Entschlafenen in das Innere des Hauses gebracht und finden in einer großen, mit 12 Kabinen versehenen Aufbahrungshalle einen Ruheplatz für die letzten Tage ihres Erdendaseins.“
Die Philosophie des Hauses, so hörte ich es am Montag, von Jugend an dem Hause treu bleiben, die Gewerkschaftsjugendgruppen besuchen etc. und eben in diesem Haus auch als Verstorbener einen Platz zu haben.
An der Backsteinfassade des Hauses waren acht Plastiken von Bernhard Hötger zu sehen, die 1933 abgenommen und zerstört wurden. Die heutigen sechs Plastiken sind ein Nachguss aus dem Jahre 1979, des Bildhauers Manfred Lohrengel.
Seinen Ort fand das Haus in Walle deshalb, weil der Bremer Westen zum Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, eine ökonomisches Aufstiegsgebiet war. Die Werft „AG Weser“, so wie das gesamte Hafengebiet sei da zu nennen. Und neben den Häusern des Handwerks und der Handelskammer, sollte die Arbeiterschaft ein eigenes Haus haben, das von einigen Menschen damaliger Zeit auch „Arbeitertrutzburg“ genannt wurde.
In Rahmen der Renovierung wurden u.a. die alten Backsteine innen wieder freigelegt, denn die Architektur sollte Demokratie vermitteln. Und nicht wie Kirchen, die geistige Knechtung der Gläubigen vermitteln. So zeigen die Hötgerfiguren lieber die Knechtung der schweren Arbeit und deren Folgen.
In Jahre 1933 wurde das Gewerkschaftshaus, das Volkshaus an der Nordstrasse besetzt, erst hatte das Regime am ersten Mai alle Gewerkschafter aufmarschieren lassen und am zweiten Mai gingen die Verhaftungen los. Mehre Gewerkschaftsfunktionäre wurde verhaftet. Anschließend erfolgte die Übernahme des Gebäudes durch die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation, die später sich in der Deutschen Arbeitsfront wiederfand.
1938 kaufte die Stadt Bremen das Volkshaus und nutzte es in der Zeit des zweiten Weltkrieges für verschiedene Behörden. Im Juli 1944 wurde das Haus bei einem der vielen Luftangriffe schwer beschädigt.
Das Volkshaus steht inzwischen unter Denkmalschutz, solche Volkshäuser entstammen einer „Volkshäuserbewegung“, ein weiteres Volkshaus solcher Größe sei in Leipzig zunennen.
Aber wenn man so will auch in Bremen Nord, an der Lindenstrasse 14 in Vegesack steht noch immer ein Bau der Volkshaus zu nennen wäre, der im 20. Jahrhundert ebenfalls als Gewerkschaftshaus und stark kulturell genutzt wurde.
Pastor Ingbert Lindemann, schrieb mir im Zusammenhang des Gedenkens des 02. Mai 1933 folgende Zeilen per E-Mail:
- „Vielen Dank für die Bilder. In der Tat wurde am 2. Mai 33 auch das Gewerkschaftshaus des ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund)in der Lindenstraße von SA und NSBO (Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation, ab Sommer 33 DAF= Deutsche Arbeitsfront) besetzt und die Gelder beschlagnahmt. Das Haus hieß nun "Haus der deutschen Arbeit". Viele Gewerkschaftler wurden verhaftet, darunter Otto Friese vom Metallarbeiterverband, nach dem die Straße benannt wurde, in der Du jetzt wohnst. Die rote Revolutionsfahne von 1918 des Metallarbeiterverbandes konnte von Dietrich Faun jr. versteckt und über den Krieg gerettet werden.
Gruß Ingbert“
Ich hatte Pastor Lindemann die Fotos vom diesjährigen ersten Mai übermittelt. In diesem Haus befindet sich heute die Gasstätte „Micado“, an der Lindenstrasse.
Am Montag, den fünften Mai hatten sich zu einem Festakt an der Hans-Böckler-Strasse folgende Redner eingefunden:
- Senatorin Frau Ingelore Rosenkötter
- Dr. Oliver A. Bongartz, Geschäftsführer für die Gesellschaft für Bremer Immobilien mbH
- Hans Koschnik, Bürgermeister in Bremen (von 1967 bis 1985)
- Helga Ziegert, DGB Regionsvorsitzende, Bremen
- Prof. Dr. Hans- Joachim Manske, Direktor der Städtischen Galerie
- Dr. Martin Golhlke, Historiker
Die Personalvertretung überreicht Helga Ziegert, eine Flasche Wein mit einem Etikett welches extra für den Festakt angefertigt wurde.
Hans Koschnik, selbst im Bremer Westen aufgewachsen, konnte natürlich mit persönlichen Erinnerungen aufwarten. Die Arbeiterjugend hatte sich von Alkohol und Tabak fernzuhalten. Enttäuschend groß war dann der Blick, auf die trinkenden und rauchenden Gewerkschaftsfunktionäre.
Wie konnte der zweite Mai 1933 so Kampflos funktionieren?
Der Historiker Dr. Martin Gohlke, bei seinem Vortrag und später bei der Teilnehmerdiskussion.
Für den neuen Hausherrn Dr. Peter Marquard habe ich es mir nicht nehmen lassen, für eine eventuell neue Bibliothek des Hauses, das erste Buch zu überreichen.
Ich möchte es auch nicht versäumen dieses Buch hier umfassend vorzustellen:
Eine deutsche Obsession mit europäischen Folgen:
Aus der Epoche der Romantik geht das Romantische hervor und prägt die Literatur und die Musik, die Philosophie und nicht immer ganz unproblematisch- auch die Politik.
Rüdiger Safranskis große Erzählung von einer Geisteshaltung, die bis in unsere Gegenwart wirkt.
Geschildert wird die Epoche von Schlegel, Tieck, Novalis, Fichte, Schelling, Eichendorff, und E.T.A. Hoffman. Die Romantik war eine Epoche, die ihr Ende fand. Das Romantische aber lebt fort in der Geisteshaltung in der Poesie, der Musik, der Philosophie, im Alltagsleben und nicht zu letzt auch in der Politik.
Sie führt über Heine, Richard Wagner, Thomas Mann zu den Erregungen der zwanziger Jahre, also in die Zeit, als des Volkshaus gebaut wurde. Das Buch endet beim Romantischen der 68er Bewegung. (Weiteres siehe bitte www.buechergilde.de)
Texte z.T. der Homepage des GeBeIn oder der Büchergilde entnommen.
Foto: Lindentrasse, Ingbert Lindemann
Text und Fotos: Holger Bischoff
[15.05.2008]
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